PROBIOTIKA – DER GRIFF INS KLO !!!
Millionen Fliegen können nicht irren!
Was die Forschung nicht leistete, schafften spielend die Frauenzeitschriften
und Gesundheitsmagazine. Nichts liegt den Blättchen mehr am Herzen, als die
Interessen ihrer Anzeigenkunden. Und schon war der Zeitgeist reif für eine
Art biologischer Schädlingsbekämpfung im eigenen Darm. eine
narzisstische Gesellschaft, verunsichert durch die steten Kassandrarufe
über eine ungesunde Mangelernährung durch Kantinen, Imbissbuden und
Fast Food, war schnell bereit, das Angebot einer Gesundheitspflege von innen
durch fleißige Bakterien anzunehmen. Und außerdem musste man nun nicht mehr fade
Rohkost, blähende Körnerbrötchen oder fettarme Wurst essen.
Welche Kriterien muss eine Bakterie überhaupt erfüllen, um sich
probiotisch nennen zu dürfen? Eine verbindliche Definition fehlt. Klar ist
nur, dass nicht jeder hergelaufene Feld-Wald-und-Wiesen-Keim dazu zählt.
Sonst könnte ja jeder bayerische Bergbauer mit seiner Joghurtkultur auf der
Fensterbank Geschäfte machen. Nein - die Geschichte der Probiotika
hört sich ganz anders an - quasi ein modernes Märchen. Über vier
Jahre lang suchten 35 Wissenschaftler am Nestle Forschungszentrum aus 4.000
verschiedenen Bakterien die richtigen Stämme. Die Winzlinge mussten vor
allem in der Lage sein, das Säurebad im Magen zu überstehen. Das
gelingt den üblichen Joghurtkulturen wie Streptococcus thermophilus und dem
Lactobacillus bulgaricus nur selten. Zusätzlich sollten sie auch
Stehvermögen haben und sich an Darmzellen anheften können. Denn sonst
werden sie gleich wieder von den dort bereits lebenden Kollegen weggekegelt.
Seither wird dem Käufer für sein Geld was geboten: Über eine
Milliarde probiotischer Keime namens Bifodobakterium etc. tummeln sich in jedem
Joghurtbecher. Nun pflegen sich profane Joghurtbakterien nicht an der Darmwand
anzuheften, weil sie von frischer Milch leben und nicht von Verdautem.
Andererseits können die vornehmen Probiotischen noch nicht einmal Milch
dick legen, eigentlich die Hauptaufgabe für ein Milchsäurebakterium.
Deshalb muss man die begehrten Bazillen in den anderweitig gesäuerten
Joghurt einrühren.
Vielleicht ahnen Sie jetzt, woher die probiotischen Kulturen stammen,
die sich in den Falten unserer Gedärme ansiedeln sollen?
Es sind nichts anderes als Darmbakterien - meist menschlichen Ursprungs.
Hier bewährheitet sich der alte Spruch:
Fresst Sch ... Millionen Fliegen können sich nicht irren.
Keime aus Kot, aus Vaginalabstrichen, oder solchen, die irgendwann
einmal aus irgendwelchen Patienten isoliert wurden. Keime, die nach dem
Lebensmittelmikrobiologen Prof. Michael Teuber ganz neue Arten darstellen.
Keime, an die inzwischen auch Gentechnologen Hand anlegen, die aus
Schweinekot oder Mäusedärmen stammen. Bakterienstämme,
deren Arten nicht klar definiert sind und die ohne Skrupel inzwischen sogar
an Säuglingen getestet werden. In diesem Zusammenhang sollte man
darauf hinweisen, dass Bifidobakterien auch pathogen sein können, mahnt der
Schweizer Wissenschaftler an. Manche Bifidobakterien können Karies und
sogar Gehirnhautentzündungen verursachen.
Vor lauter Nebenwirkungen wird die wichtigste Frage leicht vergessen: Nutzen
Bifidobakterium & Co. überhaupt? Vor allem: Sorgen sie für eine
gesündere Darmflora? Soweit Untersuchungen seitens der Hersteller selbst
vorliegen, heißt die Antwort nein. Das bestätigt eine französische
Studie und sogar eine Firmenschrift, die Nestle an Ärzte verteilte. Demnach
verdrängen die probiotischen Bakterien vor allem die "guten"
körpereigenen Bifidobakterien. Nach dem Absetzen erholt sich die Darmflora
nur noch teilweise, die Zahl der körpereigenen Bifidobakterien ist nach
den "Fütterungsversuchen" an Freiwilligen weitaus niedriger als vor dem
Verzehr der Produkte.
Das Essen probiotischer Produkte kann also die Darmflora
beeinträchtigen. Für Mikrobiologen kommt das wenig überraschend.
Schließlich haben die meisten Bakterien keine Lust, sich mit irgendwelchen
Erregern anzulegen. Sie streiten sich lieber am Futternapf mit ihrer
nächsten Verwandtschaft herum, die Appetit auf die gleichen delikaten
Darminhaltsstoffe hat. Deshalb verdrängen die aggressiven
Neuankömmlinge die angestammte Bifidoflora aus ihren Nischen - ohne sich
jedoch selbst ansiedeln zu können.
Tatsächlich fehlt es nicht an Hinweisen auf eine krank machende Wirkung
der, probiotischen Produkte. "Probiotische Joghurts können
lebensgefährlich sein", rauschte es Anfang 2000 durch den deutschen
Blätterwald. Anlass war ein Ärztekongress im britischen Birmingham,
auf dem der Wiener Immunspezialist Dr. Wolfgang Graninger seine Ergebnisse
präsentierte. Danach können Probiotika bei immungeschwächten
Patienten lebensgefährliche Erkrankungen wie Hirnhautentzündungen,
Lungenentzündungen und Blutvergiftung auslösen.
Vorgestellt wurde während des Kongresses auch der Fall einer betagten
Diabetikerin, die vom Genuss probiotische Milchprodukte einen Leberabzess bekam
und nur durch eine Operation gerettet werden konnte. Für die
Chefärztin des Wiener Hanusch-Krankenhauses Dr. Elisabeth Pittermann war
das zu viel: Sie strich probiotische Produkte von Speiseplan ihrer Patienten.
Schon vorher hatte die Bio-Molkerei Scheitz in Andechs ihre probiotische Lienie
ob der ungenügenden Datenlage vom Markt genommen. Wer verkauft schon gerne
seinen Kunden Lebensmittel, die Keime enthalten, die bisher von den Hygienikern
als Hinweis auf eine fäkale Verunreinigung gewertet wurden?
Deutsche Ernährungsexperten scheinen da weniger zimperlich zu sein:
"Diese Milchsäurebakterien können überall auftreten. Sie sind
Bestandteil unserer Umwelt und nicht nur von probiotischen Produkten", so
Professor Jürgen Schrezenmeir von der Bundesanstalt für
Milchwirtschaft in Kiel. Der Experte scheint vergessen zu haben, dass die
probiotischen Bakterien speziell daraufhin selektiert wurden, sich an
Schleimhäuten festzusetzen. Es ist sogar mehr als wahrscheinlich, dass sie
bei einem geschwächtem Immunsystem zum Problem werden können.
Quelle: Auszug aus dem Buch: Prost Mahlzeit! ISBN 3-462-03012-4
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